ChessBase Magazin

Sizilianisch 2...e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6

"Erigabava-Sizilianisch"

Yago Santiago aktualisiert 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Lb4!?

Unsere Ausgangsstellung ergibt sich nach den Zügen 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Lb4!?.

fen:rnbqk2r/pp1p1ppp/4pn2/8/1b1NP3/2N5/PPP2PPP/R1BQKB1R w KQkq - 0 1 v;

Dieser Sizilianer, auch bekannt als Fesselvariante, hatte einen schlechten Ruf, bis zwei der kreativsten Schachgroßmeister unserer Zeit, Erigaisi und Jobava, ihn für sich entdeckten! Deshalb bin ich der Meinung, dass dieses Abspiel einen neuen Namen verdient. :)

Schauen wir uns also die konkreten Varianten an, um zu verstehen, warum diese Eröffnung heute eine interessante Überraschungswaffe ist – und noch vieles mehr!

A) 6.Ld3

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Der zweithäufigste Zug in klassischen Partien, der häufigste im Blitz und für Vereinsspieler definitiv der Zug, dem man am häufigsten begegnet. 6…d6. Sehr wichtig: Wir stellen unsere Bauern auf dunkle Felder, um den fehlenden Läufer auszugleichen, der bald gegen den weißen Springer auf c3 getauscht wird. 7.0-0 0-0 und nun hat Weiß einige Optionen.

A1) 8.Lg5

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Eine sehr natürliche Spielweise für Weiß, doch Schwarz hat einen konkreten Plan, um die Stellung auszugleichen: Die Bauern auf die dunklen Felder! 8…h6 9.Lh4 g5!N (9…Sbd7 geschah in Ferreira,V - Yakimova,M 0-1, aber nach 10.Sce2! ist die weiße Stellung leichter zu spielen) 10.Lg3 Lxc3! 11.bxc3 e5!. Da der Königsläufer weg ist, übernehmen unsere Bauern die Arbeit auf den dunklen Feldern. 12.Se2 Le6

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nebst ...Sbd7 und ...Tc8 mit gutem Gegenspiel gegen die schwache weiße Bauernstruktur.

A2) 8.Ld2

fen:rnbq1rk1/pp3ppp/3ppn2/8/1b1NP3/2NB4/PPPB1PPP/R2Q1RK1 b - - 0 1 v;

Mit diesem Zug hält Weiß seine Bauernstruktur intakt, aber er wirkt etwas passiv. 8…Sc6. Schwarz reagiert mit Druck auf d4. 9.Sc2 Lc5 10.Lc3 e5! 11.Sb3?! (11.Sxc6N bxc6 12.h3 Le6 und Schwarz steht ohnehin gut) 11…Lb6!

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und nach nur 11 Zügen steht Schwarz besser, wie wir in der Partie Gaehwiler,G - Jobava,B 0-1 sehen können.

A3) 8.Sce2

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Diesen Springerzug wurde vor zwei Jahren von Gukesh erprobt. Weiß beabsichtigt, Sb3 zu spielen und den Läufer b4 zu jagen. 8…Lc5!. Eine wichtige Prophylaxe gegen die positionelle Drohung von Weiß. 9.c3 e5!. Und wieder ist dieser Bauernvorstoß der angesagte Zug für Schwarz. 10.Sf3 Le6 11.Sg3 Sbd7 12.Te1 Te8 13.Le3 Dc7

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und in der Partie Gukesh,D - Erigaisi,A ½-½ stand Schwarz sehr solide.

B) 6.e5

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Der anspruchsvollste Zug, der lange Zeit beinahe als Widerlegung der Variante galt. 6…Sd5! ist erzwungen (6…Se4?? 7.Dg4! Sxc3 8.Dxg7! Tf8 9.a3! La5 10.Lh6! De7 11.Sb3!+-), und nun hat Weiß wieder einige Optionen.

B1) 7.Ld2

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Der häufigste und natürlichste Zug an dieser Stelle. 7...Sxc3 8.bxc3! (8.Lxc3? Lxc3+ 9.bxc3 Dc7 ist einfach klar besser für Schwarz) 8...Lf8!. Ein neuer Trend. Der Zug mag absurd erscheinen, aber er antizipiert die in solchen Stellungen übliche weiße Idee Dg4 mit Angriff auf den Bauern g7. 9.Ld3 Na6!

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Ein ganz wichtiger Zug, der Springer strebt auf das Feld c5. 10.0-0 Sc5 11. Te1 b6! 12. Dg4 h5!. Diesen Zug sehen wir in vielen Stellungen, wenn Weiß Dg4 spielt. 13.Df4 Lb7 14.a4 Le7 15.a5 bxa5 16.Sb3 g5! 17.Dd4 Sxb3 18.cxb3 Db6!

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und Schwarz gleicht aus, wie man in der Partie Van Foreest,J - Erigaisi,A 0-1 sehen kann.

B2) 7.Dg4

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Ein interessanter und beliebter Zug. Doch auch hier folgt eine trendige Antwort. 7…Kf8! 8.Ld2 h5!. Unser thematischer Zug. 9.Dg3 h4! 10.Dg4 Sc6 11.Sxc6 bxc6 12.Se4 Tb8!

fen:1rbq1k1r/p2p1pp1/2p1p3/3nP3/1b2N1Qp/8/PPPB1PPP/R3KB1R w KQ - 0 1;

und Schwarz hat sehr aktives Spiel, wie in der Partie Baklan,V - Jobava,B 0-1 zu sehen ist.

C) 6.Dd3

fen:rnbqk2r/pp1p1ppp/4pn2/8/1b1NP3/2NQ4/PPP2PPP/R1B1KB1R b KQkq - 0 1 v;

Dieser Zug wirkt auf mich etwas gekünstelt, wurde aber von keinem Geringeren als Abdusattorov gespielt. 6…0-0 und wie üblich hat Weiß im 7. Zug einige Optionen.

C1) 7.Ld2

fen:rnbq1rk1/pp1p1ppp/4pn2/8/1b1NP3/2NQ4/PPPB1PPP/R3KB1R b KQ - 0 1 v;

Der am häufigsten gespielte Zug. Schwarz kann aber auf mehrere Arten ausgleichen, zum Beispiel 7…e5!? 8.Sb3 d6 9.a3 Lxc3 10.Lxc3 Le6

fen:rn1q1rk1/pp3ppp/3pbn2/4p3/4P3/PNBQ4/1PP2PPP/R3KB1R w KQ - 0 1;

und hier spielt Schwarz sogar auf Vorteil, wie meine Partie Hrebenshchykova,Y - Santiago,Y 0-1 zeigt.

C2) 7.e5

fen:rnbq1rk1/pp1p1ppp/4pn2/4P3/1b1N4/2NQ4/PPP2PPP/R1B1KB1R b KQ - 0 1 v;

7...Sd5 8.Ld2 d6!?. Dieser thematische Zug birgt eine kleine Falle. 9.Sxd5?! Lxd2+ 10.Dxd2 dxe5!.

fen:rnbq1rk1/pp3ppp/4p3/3Np3/3N4/8/PPPQ1PPP/R3KB1R w KQ - 0 1;

Die Pointe. 11.Sxe6 Lxe6 und Schwarz hat leichten Vorteil wie in der Partie Song,Y - Muzychuk,A ½-½.

Fazit: Nach Durcharbeiten dieses Artikels verfügen wir über eine starke Überraschungswaffe im klassischen Schach und eine noch stärkere im Schnell- und Blitzschach! Unsere Variante ist zudem recht einfach und setzt bereits im 5. Zug ein, was die Vorbereitung erleichtert und die Ergebnisse mit Sicherheit verbessert.