ChessBase Magazin

Londoner System 3.e3 e6 4.Sf3 Ld6 5.Ld3

Einladung zum Läufertausch

Christian Braun kontert das moderne 4...Ld6 mit 5.Ld3!?

Unsere Ausgangsstellung entsteht nach 1.d4 d5 2.Lf4 Sf6 3.e3 e6 4.Sf3 Ld6 (die moderne Fortsetzung, Schwarz forder sofort den Londoner Läufer f4 heraus) 5.Ld3!?.

fen:rnbqk2r/ppp2ppp/3bpn2/3p4/3P1B2/3BPN2/PPP2PPP/RN1QK2R b KQkq - 0 1 v;

5.Ld3!? kam in 845 Partien vor und erreichte eine Punktausbeute von 56,9 %, mehr als 5.Lg3 (7.485 Partien/54 %) und 5.Se5 (3.171 Partien/58,7 %). Der Vorteil gegenüber diesen Hauptzügen liegt darin, dass wir sehr flexibel bleiben und gut auf die unterschiedlichen Aufstellungen von Schwarz reagieren können. Beispielsweise wird der Damenspringer zumeist nach d2 entwickelt, kann aber in manchen Fällen auch nach c3 oder sogar a3 gehen. In den meisten Varianten bekommt Weiß eine einfache und gute Entwicklung, während Schwarz Probleme hat, seine Figuren zu entwickeln, insbesondere den schwachen Läufer auf c8. Sehr inspiriert war ich von der Partie Van Foreest,J - Keymer,V 1-0 (Tata Steel 2026), in der Jorden mit 5.Ld3!? Vincent in nur 26 Zügen vom Brett fegte!

Meine Partieanalysen sollen Ihnen helfen, die entstehenden Stellungen besser zu verstehen, und Ihnen interessante Ideen vermitteln, gegen eine der am häufigsten gespielten Varianten von Schwarz im Londoner System!

Ich werde die folgenden Fortsetzungen besprechen: A) 5…c5 6.dxc5 Lxf4 7.exf4, B) 5…Lxf4 6.exf4 Dd6 7.Dd2 b6 (und andere 7. Züge), C) 5…0-0 6.0-0 Lxf4 7.exf4 Dd6 (und andere 7.Züge), D) 5…0-0 6.0-0 c5 7.dxc5 Lxc5 8.Sbd2 Sc6 (und andere seltene 8. Züge), E) 5…0-0 6.0-0 Lxf4 7.exf4 – Nebenvarianten, F) 5.Ld3 – Nebenvarianten und G) 5…0-0 6.0-0 b6 7.De2.

A) 5...c5 6.dxc5 Lxf4 7.exf4

fen:rnbqk2r/pp3ppp/4pn2/2Pp4/5P2/3B1N2/PPP2PPP/RN1QK2R b KQkq - 0 1 v;

Schwarz hat die weißen Bauern dazu gebracht, aus dem Zentrums herausschlagen, und in der Partie Rapport,R - Sadhwani,R 1-0 eroberte er jetzt mit 7…Dc7 den Bauern zurück. Nach 8.g3 Dxc5 kann Weiß Sbd2-b3 folgen lassen

fen:r4rk1/pp1b1ppp/1qn1pn2/3p4/5P2/1NPB1NP1/PP3P1P/R2QR1K1 w - - 0 1;

und erlangteso die Kontrolle über die dunklen Zentrumsfelder d4 und e5, mit Potential, den gegnerischen König anzugreifen. Schwarz bleibt derweil sehr passiv, und insbesondere der Läufer auf c8 ist eine schwache Figur.

B) 5...Lxf4 6.exf4 Dd6 7.Dd2 b6 (und andere 7. Züge)

fen:rnb1k2r/p1p2ppp/1p1qpn2/3p4/3P1P2/3B1N2/PPPQ1PPP/RN2K2R w KQkq - 0 1 v;

Schwarz bereitet c7-c5 vor. In der erwähnten Begegnung Van Foreest,J - Keymer,V 1-0 geschah 8.Sc3 (ein ungewöhnlicher Zug in dieser Variante) c5 9.h4

fen:rnb1k2r/p4ppp/1p1qpn2/2pp4/3P1P1P/2NB1N2/PPPQ1PP1/R3K2R w KQkq - 0 1;

mit der Absicht, mit h5-h6 die dunklen Felder am schwarzen Königsflügel zu schwächen. Man beachte, dass Weiß mit der Rochade wartet und noch 0-0-0 wie auch 0-0 spielen kann! Jorden schlug Vincent direkt aus der Eröffnung heraus. Diese Partie inspirierte mich zu diesem Artikel. Die Anmerkungen behandeln auch die Alternativen für Schwarz im 7. Zug.

C) 5...0-0 6.0-0 Lxf4 7.exf4 Dd6 (und andere 7. Züge)

fen:rnb2rk1/ppp2ppp/3qpn2/3p4/3P1P2/3B1N2/PPP2PPP/RN1Q1RK1 w - - 0 1 v;

Schwarz attackiert den Bauern auf f4. Die Partie Boehme,S - Heinemann,J 1-0 ging weiter mit 8. g3 b6 (mit der Absicht, mit ...La6 den schlechten Läufer abzutauschen). 9.De2 a5 (9…c5 10.c3) und hier wäre 10.Sa3 interessant gewesen –

fen:rnb2rk1/2p2ppp/1p1qpn2/p2p4/3P1P2/N2B1NP1/PPP1QP1P/R4RK1 w - - 0 1;

Weiß ist bereit, c4 zu spielen und hat eine gute Springerkontrolle über die Felder b5 und e5! Die Partieanmerkungen behandeln auch die Alternativen für Schwarz im 7. Zug.

D) 5…0-0 6.0-0 c5 7.dxc5 Lxc5 8.Sbd2 Sc6 (und andere 8. Züge)

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Das Zurückschlagen auf c5 mit dem Läufer (d. h. kein Abtausch auf f4) kostet ein Tempo und verschafft Weiß somit einen kleinen Entwicklungsvorsprung. Auch hier ist Schwarz' Läufer auf c8 recht passiv und kommt nicht so schnell ins Spiel. Weiß hat mit e4 und c4 zwei Möglichkeiten, das Zentrum unter Druck zu setzen. In Salna,A - Svane,R ½-½, gab 9.c4! Weiß die Option, auf der c-Linie zu spielen oder mit a3 und b4 am Damenflügel zu expandieren. Die Partieanmerkungen behandeln auch schwarze Alternativen wie 8…Sbd7 oder 8…b6 (9.e4!).

E) 5...0-0 6.0-0 Lxf4 7.exf4 - Nebenvarianten

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Die Partie Indjic,A - Cremisi,D 1-0 ging weiter mit 7…Sbd7 8.Sbd2 c5 9.dxc5 Sxc5, und nun hätte 10.Sb3!? Sxd3 11.cxd3!

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Weiß eine gute Kontrolle über d4 und e5 verschafft, während Schwarz (schon wieder!) auf einem schlechten weißfeldrigen Läufer sitzenbleibt! Ein weiteres schönes Manöver in diesen Varianten mit …Lxf4/exf4, auf das ich hier hinweisen möchte, ist der weiße Turmschwenk über e1-e3 zum Königsflügel. In den Partiekommentaren werden außerdem Alternativen für Schwarz im 7. Zug erörtert.

F) 5.Ld3!? - Nebenvarianten

fen:rnbqk2r/ppp2ppp/3bpn2/3p4/3P1B2/3BPN2/PPP2PPP/RN1QK2R b KQkq - 0 1 v;

In der Analyse der Partie Rosen,E - Aarav,S 1-0 werden wir uns Stellungen ansehen, in denen Schwarz nicht mit dem wichtigen Hebel ...c5 Gegenspiel sucht. Dann lautet der Standardplan von Weiß, Se5 gefolgt von h4 zu spielen

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und so einen starken Angriff auf den schwarzen König zu starten.

G) 5...0-0 6.0-0 b6 7.De2

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6…b6 (ohne den Läufertausch auf f4) ist ein flexibler Zug. Abgesehen von der Vorbereitung von …c5 kann Schwarz entweder mit …Lb7 fortfahren, um das Feld e4 zu kontrollieren und dort seinen Springer auf f6 zu platzieren, oder seinen schwachen weißfeldrigen Läufer über a6 gegen den guten weißen Läufer tauschen. 7.De2 verhindert dies. Der Hochkaräter Bluebaum,M - Vidit,S ½-½ ging weiter mit 7…Se4 8.Lxd6 Sxd6 9.Sbd2 Lb7, und nun gab der Vorstoße 10.e4!?

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Weiß Raumvorteil und ein leichtes Plus – 10…dxe4 11.Sxe4 Sd7 12.c4.

Fazit: Mir gefällt das flexible 5.Ld3!? sehr gut. Weiß kann weiterhin entscheiden, wo er den Springer auf b1 platziert, und Schwarz erlangt nicht die Kontrolle über das Feld e4 (wie beispielsweise nach 5.Se5). Ganz oft bekommt Weiß die bessere Entwicklung und hat schlichtweg 'die stärkeren Figuren' als Schwarz. Ein weiterer Vorteil von 5.Ld3!? ist, dass die entstehenden Stellungen nicht alltäglich und noch etwas unerforscht sind.

Der Stellungstyp aus der Partie Rapport,R - Sadhwani,R 1-0, mit Kontrolle über die Felder e5 und d4 und der Möglichkeit, den schwarzen König anzugreifen, wird recht häufig auf dem Brett erscheinen – dies ist tatsächlich meine Lieblingsvariante für Weiß! Die Variante mit 8.Sc3 aus der Partie Van Foreest,J - Keymer,V 1-0 zeigt ebenfalls, wie gefährlich der weiße Aufbau ist, wenn selbst ein so solider Spieler wie Vincent Keymer in nur 26 Zügen vom Brett gefegt wird! Der beste Versuch für Schwarz ist meines Erachtens 5…0-0 6.0-0 c5 7.dxc5 Lxc5 (siehe Salna,A - Svane,R ½-½) oder Vidits Aufstellung in Bluebaum,M - Vidit,S ½-½.

Ich wünsche Ihnen also viel Glück für Ihre Partien mit 5.Ld3!? – zerschmettern Sie Schwarz mit dem Londoner System!