ChessBase Magazin

Die Festung

Springer gegen Turm und Bauer

von Dorian Rogozenco

Einleitungsvideo

Normalerweise ist eine Partie, in der man nicht nur einen Bauern, sondern auch noch eine Qualität weniger hat, natürlich verloren, im Endspiel sowieso. Und doch lassen sich bestimmte Stellungen trotz des materiellen Nachteils mit Hilfe eines Festungsmotivs noch remis halten.

Das klassische Motiv, um das es in Dorian Rogozencos Beitrag diesmal geht, sieht wie folgt aus:

fen:6n1/5kP1/8/4K3/8/8/8/6R1 b - - 0 1 v;

Der Springer unterbindet die Umwandlung des weißen Bauern und springt zwischen dem Umwandlungsfeld und den Feldern h6, f6 und e7 hin und her. Aber Achtung: In der konkreten Stellung würde 1…Sf6 natürlich sofort wegen der Fesselung 2.Tf1 verlieren. Die anderen beiden Züge hingegen halten die Festung aufrecht.

Nach 1…Se7 kann Weiß sich auf zweierlei Wegen mit seinem König der schwarzen Festung zu nähern versuchen: Nach 2.Tg2 Sg8 3.Kd6 kann der Springer gefahrlos nach f6 ziehen (und obendrein die Gabel …Se8 drohen). Und nach z.B. 4.Ke5 kehrt der Springer einfach in auf das Blockadefeld g8 zurück.

Versucht es der weiße König auf der anderen Seite, kann er die folgende Stellung forcieren:

fen:6n1/5kP1/8/6RK/8/8/8/8 b - - 0 1 v;

Nur wenn es der König über h6 nach h7 schafft, kann er die Partie gewinnen. Die Aufgabe für Schwarz ist also klar, und nur 1…Kf6 hält die Festung aufrecht. Doch mit 2.Tg2 Kf7 3.Tg6 kann Weiß den Druck weiter erhöhen. Wieder gibt es nur einen einzigen Zug, der Schwarz rettet: 3…Se7 zwingt Weiß, erneut mit seinem Turm zu ziehen – denn nach 4.Kh6 Sxg6 5.Kh7 Se7 ist der Springer rechtzeitig zurück.

Diese Festung hat auch Bestand, wenn wir sie nach links verschieben und der Angriffsbauer sich z.B. auf c7, d7 oder f7 befindet. Steht der Bauer hingegen auf h7, handelt es sich nicht mehr um eine Festung, denn hier gehen dem Springer schnell die Optionen aus:

fen:7n/6kP/8/5K2/8/8/8/7R w - - 0 1 v;

Weiß kann den Bauern einfach mit 1.Tg1+ den Bauern opfern, denn nach 1…Kxh7 2.Kf6 ist die Partie schon zu Ende.

Im zweiten Teil der Videoeinleitung erläutert Dorian Rogozenco, warum das bauernlose Endspiel mit Springer in den meisten Fällen remis ist– vorausgesetzt, der Springer ist nicht so weit von seinem König entfernt, dass er durch die Angreifer abgeschnitten werden kann. Und – auch das ist noch ein wichtiges Detail im Kontext des oben behandelten Festungsmotives: Schwarz sollte sich nicht dazu hinreißen lassen, den Bauern g7 mit seinem Springer zu erobern!

fen:6k1/3K2P1/6R1/7n/8/8/8/8 b - - 0 1 v;

Nach 1…Sxg7 gewinnt Weiß: 2.Ke7 Kh7 3.Kf6 Sh5+ 4.Kg5 Sg7 5.Ta6! +-

Also: „Schwarz sollte gar nicht versuchen, irgendwelche Fortschritte zu machen!“

Interaktive Trainingsvideos (in englischer Sprache)

1) Neumann-Steinitz (1830). Weiß zieht und hält remis

2) Perspektivwechsel – Wie hält Weiß remis?

3) Schwarz zieht und hält remis

4) Weiß zieht und gewinnt!

5) Eine harte Nuss: Weiß zieht und gewinnt!