ChessBase Magazin

Kostenlose Leseprobe aus ChessBase Magazin #232

Die 8. Reihe

von Jan Markos

 

Bauern sind in einer grundlegenden Hinsicht gegenüber allen anderen Schachfiguren defizitär: Sie kennen nur eine Richtung, sie ziehen und schlagen immer nach vorne. Sie können daher auch nur den Raum vor ihnen verteidigen, nicht den, der sich hinter ihnen befindet. Das ist ein wichtiger Grund, warum die achte Reihe (wie auch die siebte Reihe – siehe ChessBase Magazin 231) für angreifende Türme sehr attraktiv ist.

In seinem Videobeitrag präsentiert Jan Markos drei Paradebeispiele aus der Großmeisterpraxis, wie man die achte Reihe für einen Angriff nutzt. In der Partie Bruzon-Jobava gelang es Weiß, seinen Gegner zum Zug Ke8-f8 zu zwingen und somit dessen Rochade zu unterbinden. Und er erkannte frühzeitig die damit einhergehende Schwächung dessen Grundreihe. Nach Abtausch des Verteidigers Le7 drang Bruzon mit 17.Dd7 ein – die Drohung auf der achten Reihe liegt hier bereits in der Luft.

fen:r4k1r/pp1Qnppp/8/q3p3/4p3/4B2P/PPP2PP1/2KR3R b - - 0 1 v;

Jobava setzte mit 17…Tc8? fort. Ein Fehler – wie setzen Sie mit Weiß fort und beenden die Partie?

Auch im zweiten Beispiel (Milov-Luther) spielt ein deplatzierter Turm von Schwarz eine zentrale Rolle.

fen:3k1r2/rp6/p1p2nQ1/2Pp3n/3P3q/2N5/PP3P1P/1K2R1R1 w - - 0 1 v;

Mit 24.Dh6 attackierte Weiß zunächst den vulnerablen Tf8, und nach 24…Tf7 initiierte 25.Tg8+ den entscheidenden Angriff über die achte Reihe Es folgte 25…Kc7 26.Tf8 Th7 – und jetzt das unglaubliche schöne 27.Sa4!! Weiß kann es sich erlauben, die Dame zu geben, denn nach 27…Txh6 28.Sb6 kann Schwarz das Matt nicht mehr abwenden!

Im dritten Beispiel (Giri-Tari) zeigt Markos, wie wichtig die achte Reihe auch in einem Doppelturmendspiel werden kann.  Denn sowohl der gegnerische König als auch seine Bauern können auf diesem Wege auf einmal zum Ziel werden!